„Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“: Wachsen warum?

Was brauche ich wirklich zum glücklich sein? Muss es immer mehr und mehr sein? Was lasse ich zurück, wenn ich mich auf „mehr, höher, weiter“ einlasse? Sind es nur materielle Ziele, die es zu erreichen gilt? Was ist mir persönlich wichtig für mein Leben? Wann bin ich zufrieden mit mir selbst?
Das Zwiegespräch eines mexikanischen Fischers und eines Investmentbankers in einer Abwandlung von Heinrich Bölls „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ (von 1963!) wirft Fragen auf, beschäftigt anhaltend, lässt innehalten und sein eigenes Leben betrachten. Ich wünsche euch ein paar ruhige Minuten beim Lesen und viele unruhige Minuten beim Nachwirken lassen.

Eure Landesvorsitzende Ramona Friedrich

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Hier die wunderbare Geschichte, leicht abgewandelt nach Heinrich Böll (1963):

Ein Investmentbanker stand in einem kleinen mexikanschen Fischerdorf am Pier und beobachtete, wie ein kleines Fischerboot mit einem Fischer an Bord anlegte. Er hatte einige riesige Thunfische geladen.
Der Banker gratulierte dem Mexikaner zu seinem prächtigen Fang und fragte wie lange er dazu gebraucht hatte.
Der Mexikaner antortete: „Ein paar Stunden nur, nicht sehr lange.“ Daraufhin fragt der Banker, warum er denn nicht länger auf See geblieben ist um noch mehr zu fangen. Der Mexikaner sagte, die Fische reichten ihm, um seine Familie für die nächsten Tage zu versorgen.
Der Banker wiederum fragte: „Aber was tun Sie denn mit dem Rest des Tages?“
Der mexikanische Fischer erklärte: „Ich schlafe morgens aus, gehe ein bisschen fischen, spiele mit meinen Kindern, mache mit meiner Frau eine Siesta, gehe ins Dorf, trinke dort ein paar Gläschen Wein und spiele Gitarre mit meinen Amigos. Sie sehen, ich habe ein ausgefülltes Leben.“

Der Banker erklärte: „Ich habe einen MBA von Harvard und könnte Ihnen ein bisschen helfen. Sie sollten mehr Zeit mit Fischen verbringen und von dem Erlös ein größeres Boot kaufen. Mit dem Erlös können Sie wiederum mehrere Boote kaufen bis Sie eine ganze Flotte haben.
Statt den Fang an einen Händler zu verkaufen, könnten Sie direkt an eine Fischfabrik verkaufen und schließlich eine eigene Fischverarbeitungsfabrik eröffnen. Sie könnten Produktion, Verarbeitung und Vertrieb selbst kontrollieren. Sie könnten dann dieses kleine Fischerdorf verlassen und nach Mexiko City oder Los Angeles und vielleicht sogar nach New York City umziehen, von wo aus Sie dann ihr florierendes Unternehmen leiten.“

Der Mexikaner fragte: „Und wie lange wird das alles dauern?“
Der Banker antwortete: „So etwa 15 bis 20 Jahre.“
Der Mexikaner fragte: „Und was dann?“
Der Banker lachte und sagte: „Dann kommt das Beste. Wenn die Zeit reif ist, könnten Sie mit Ihrem Unternehmen an die Börse gehen, ihre Unternehmensanteile verkaufen und sehr reich werden. Sie könnten Millionen verdienen.“

Der Mexikaner sagte: „Millionen. Und dann?“

Der Banker sagte: „Dann könnten Sie aufhören, zu arbeiten. Sie könnten in ein kleines Fischerdorf an der Küste ziehen, morgens lange ausschlafen, ein bisschen fischen gehen, mit ihren Kindern spielen, eine Siesta mit Ihrer Frau machen, in das Dorf spazieren, am Abend ein paar Gläschen Wein genießen und mit Ihren Freunden Gitarre spielen.“

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