Hochkarätiges Podium in Eichstätt zur Enzyklika Laudato Si´

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Studientag zur Enzyklika „Laudato Si“ im Priesterseminar Eichstätt (Sa. 5. März 2016) – Podiumsdiskussion

 

Die aktuelle Enzyklika von Papst Franziskus „Laudato Si´ – Über dieSorge für das gemeinsame Haus“ sei weniger ein Lehrschreiben als vielmehr eine Einladung an alle Menschen, an der gemeinsamen Verantwortung für die Erde mitzuwirken. Dieses Statement von Bischof Gregor Maria Hanke könnte gleichsam das Fazit des von gut 130
Interessierten aus ganz Bayern besuchten Studientages „Laudato Si´ –
Was zu tun ist!“ am vergangenen Samstag im Priesterseminar in
Eichstätt sein.

 

Bei der Veranstaltung, die vom Referat Schöpfung und Klimaschutz des Bistums Eichstätt und dem Landesbildungswerk der KLB in Bayern e.V. organisiert wurde,
kamen prominente Vertreter von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft
und Kirche in den Austausch über konkrete Folgen aus den
Impulsen des Papstes.

Im Mittelpunkt des Vormittages stand ein engagiertes und in Teilen aufwühlendes Referat von Professor (em.) Paolo Suess, einem Vertreter der Theologie der Befreiung und
Inkulturation, der seit vielen Jahren in Brasilien lebt und arbeitet.
Nach einem einleitenden Impuls für den Tag durch Bischof Gregor Maria
Hanke legte Suess in seinem Referat die Finger tief in die Wunde des
individuellen und kollektiven Konsum- und Wirtschaftsverhaltens in der
Welt, das gleichermaßen zur Ausbeutung der ärmsten Menschen und
des Planeten Erde führe. Aus Laudato Si´ schlage einem hier
pfingstliches Feuer entgegen: „Die brennende Zündschnur, die an den
Planeten Erde angelegt ist, soll in den Staub getreten werden!“, so
Suess. Papst Franziskus nehme, wie Jesus, Konsequent den Blickwinkel
der Armen und Unterdrückten ein.

Die zentrale Aussage der Enzyklika ist aus Sicht von Professor Suess, dass sich soziale und ökologische Fragen nicht trennen lassen. An die Menschen der reicheren Länder sei
die Aufforderung zu richten, ihr Konsumverhalten konsequent zu
hinterfragen und – zumindest in kleinen Schritten – zu einem „weniger ist
mehr“ zu kommen. Menschen und Einrichtungen sollten immer wieder
etwas „umsonst“ machen – das schlage Schneisen in die Logik des
Marktes, so Suess. Dafür brauche es eine neue Mystik, die es uns
ermögliche, unsere Gewohnheiten zu verändern.
Die von Christoph Renzikowski, Leiter des Landesbüros Bayern der
Katholischen Nachrichtenagentur, moderierte Podiumsdiskussion am
Nachmittag brachte dann verschiedenste Vertreter der für die
Konkretisierung der Enzyklika relevanten gesellschaftlichen Gruppen ins
Gespräch untereinander und mit den gut 130 Besuchern der
Veranstaltung.

Ministerialdirektor Dr. Christian Barth, Amtschef des
Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz,
vertrat die Ansicht, Bayern könne beispielhaft zeigen, wie ein
hochentwickeltes Land es schaffen könne, eine nachhaltige
Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Hier gebe es noch erhebliche Defizite,
aber auch bereits große Fortschritte. Laudato Si´ lese sich für ihn wie ein
Weckruf, nicht aufzuhören, besser zu werden. Barth wies auch darauf
hin, dass viele Flüchtlinge auch deshalb hierher kämen, weil ihre
Lebensgrundlagen in ihren Heimatländern zerstört sind.
Professor Dr. Ulrich Bartosch von der Katholischen Universität (KU)
Eichstätt-Ingolstadt und Vertreter der Vereinigung Deutscher
Wissenschaftler sieht in der Enzyklika Laudato Si´ eine Ermutigung und
eine Entlastung, auch und gerade für Wissenschaftler: Eine Mitarbeit an
der Lösung der Probleme sei möglich, ohne alles alleine schaffen zu
müssen. Der KU komme hier natürlich eine besondere Verantwortung
bei der Umsetzung der Enzyklika zu. Aber Laudato Si´ komme einem
dabei auch entgegen. Die KU Eichstätt-Ingolstadt müsse weit weg von
jeglicher Einflussnahme sein, so Bartosch. Sie müsse eine besonders
freie Wissenschaft vertreten, die nicht dogmatisch sei, aber dazu aufrufe,
kritisch zu sein und Verantwortung zu übernehmen.
Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) wurde vom
Geschäftsführer der Abteilung Sozial- und Gesellschaftspolitik, Ivor
Parvanov, repräsentiert, der den erkrankten Hauptgeschäftsführer
Bertram Brossardt vertrat. Parvanov konnte den Analysen und Aussagen
der Enzyklika in vielem zustimmen, benannte aber auch aus Sicht der
Wirtschaft kritische Punkte. So sei es gut, dass Laudato Si´ auf die
individuelle Verantwortung für die Schöpfung hinweise. Die VBW sehe
aber kritisch, dass die Enzyklika zu sehr ausblende, dass durch die
Wirtschaft auch Wohlstand geschaffen werde, der oft die Voraussetzung
für die Lösung von Problemen sei, so Parvanov. Die Vorstellung, dass
ein Verzicht auf Wachstum in den reicheren Ländern den ärmeren
Ländern helfe, halte die VBW für falsch.
Professor Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz
(BUND) in Deutschland und in Bayern, wies darauf hin, dass auch in
Deutschland die Ärmsten der Armen die seien, die am meisten von
Umweltfolgen betroffen seien. Man müsse nur daran denken, wer an den
Rändern der am stärksten von Lärm und Abgasen belasteten Straßen
wohnen müsse. Es gäbe, so Weiger, weltweit wunderbare Beschlüsse –
von der Umsetzung seien wir aber weiter entfernt denn je. Es brauche
den gesellschaftlichen Diskurs und gesellschaftliche Prozesse, da
Appelle an Einzelne und die Wirtschaft offensichtlich nicht genügten. Als
Beispiel nannte Weiger die immer schneller wachsenden Plastikmüll-
Berge. Die Politik müsse endlich den Mut zum Grundsatz „weniger ist
mehr“ haben. Er wünsche sich, dass die Impulse aus der Enzyklika
Bestandteile von Predigten würden.
„Wir sind aufgefordert, über die Theologie der Gottebenbildlichkeit und
über die Konsequenzen daraus nachzudenken“. Diese Ansicht vertrat
Prälat Dr. Lorenz Wolf, Leiter des Katholischen Büros Bayern. Ihn habe
an der Enzyklika fasziniert, dass ihm das meiste schon vorher bekannt
gewesen sei, aber die Darstellung so pointiert und aufrüttelnd sei, dass
man sich selbst fragen müsse, warum das vorhandene Wissen bisher
nicht das bewirkt habe, was es hätte bewirken können oder sollen. Wolf
weiter: „Wir müssen das Soziale mit dem Ökologischen verbinden und
den Dialog mit allen suchen!“
Die Veranstalter zeigten sich hochzufrieden mit dem Studientag:
„Sicherlich konnten wir heute keine Detail-Lösungen für die
offensichtlichen Probleme dieser Welt präsentieren. Aber wir konnten
zeigen und bereits umsetzen, worauf es – auch im Sinne des Papstes –
zunächst vor allem ankommt: Miteinander das Gespräch suchen und um
die besten Lösungen ringen. Und zwar mit allen, die ihren Beitrag dazu
leisten wollen, dass unser gemeinsames Haus und die Menschen, die in
ihm wohnen, eine Zukunft haben!“, so Lisa Amon,
Nachhaltigkeitsreferentin des Bistums Eichstätt.

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