Selbstversuch – zwei Wochen ohne…

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Im letzten „Kontakte“, der tollen Zeitschrift vom KLJB-Diözesanverband Augsburg, findet sich ein schöner Selbstversuch aus der letzten Fastenzeit: Lisbeth und Simone haben versucht, zwei Wochen auf Facebook und Whatsapp zu verzichten – ganz im Sinne von „Ausgewachsen. Wie viel ist genug?“ berichten sie, was dabei geschah… Die nächste Möglichkeit, das gemeinsam auszusprobieren, wird unser Aktionstag „Ausgeschaltet“ am 9. Juli 2016 – probiert es auch aus, wie viel mehr weniger wird!

kontakte0116_TitelseiteElisabeth (25) verzichtete zwei Wochen auf Facebook…

  1. Welcher Mediennutzungstyp bist du?

Bei mir ist es eine unkonventionelle Mischung: Ich gehe selten ohne mein Smartphone aus dem Haus, nutze iMessage, um Bilder oder Sprachnachrichten an meine Freunde zu verschicken und bin in der Regel immer gut erreichbar. Apps nutze ich aber so gut wie gar nicht. Von WhatsApp habe ich mich allerdings vor ca. 2 Jahren losgesagt, da ich die vielen Chats als stressig und ineffizient empfand.

  1. Worauf hast du verzichtet und wie lange?

Ich ließ das soziale Netzwerk Nummer Eins für zwei Wochen links liegen.Facebook-Abstinenz war angesagt. Dazu sei gesagt, dass ich Facebook zuvor täglich genutzt habe, sei es zum Kontakt halten mit Freunden, Austausch mit der kontakte-Redaktion oder anderen Gruppen oder einfach nur zum Bilder ansehen und Neuigkeiten erfahren.

  1. Wie hast du dich vorbereitet?
    Die Vorbereitung war schnell erledigt und bestand aus dem Ausloggen aus Facebook auf meinem Laptop und meinem Smartphone. Mit einem Freund hatte ich damals nur über Facebook Kontakt. Ihn habe ich vorgewarnt und zu Fastenbeginn sind wir auf ein anderes Medium umgezogen: das Handy. Ansonsten habe ich mein Fasten nicht groß verkündet und wollte mal sehen, ob es überhaupt bemerkt wird.
  1. Wie reagierte dein Umfeld?

Als Erstes habe ich meiner Mutter das Vorhaben verkündet.

Die Mama schält Kartoffeln für das Sonntagsessen.

„Mama, ich verzichte jetzt frei für zwei Wochen auf Facebook!“

Hingebungsvoll schält die Mama Kartoffeln für das Sonntagsessen!

„Mama, hast du gehört, was ich gesagt habe? Zwei Wochen – kein Facebook!“

Die Mama grinst mich freundlich an  und zuckt mit den Achseln. „Das schadet dir bestimmt nicht.“

Da könnte sie recht haben.

Meistens nutzte ich Facebook für eine kurze Stippvisite, um mich auf den aktuellen Stand zu bringen. Diese Stippvisite kann sich zu einem Zeitfresser ausdehnen, indem man von Seite zu Seite hüpft und nachher in den wenigsten Fällen schlauer ist als vorher.

Einige Freunde sagten mir, „Respekt, das könnte ich nicht“, andere nutzen Facebook sowieso nur sporadisch oder gar nicht und hatten weder Mitleid noch Bewunderung für mich übrig. Die Reaktionen waren also gemischt.

  1. War der Verzicht schwer für dich?

Ich hatte ein, zwei Momente, in denen es mir schwer fiel und in denen ich gerne um der Muße willen meine Profilseite gecheckt hätte. Bis auf diese Augenblicke habe ich aber schlicht und einfach nicht an das soziale Netzwerk gedacht – eine interessante Erkenntnis!

  1. Wie war der Wiedereinstieg?

Das Einloggen nach zwei Wochen Verzicht war sehr unspektakulär und ich hätte das Erreichen des Enddatums um ein Haar übersehen. Viele Nachrichten und noch mehr rot markierte News warteten oben rechts auf mich, aber keine davon war lebenswichtig.

Beim Durchscrollen der Neuigkeiten hatte ich nicht das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben – lediglich ein Geburtstag ging mir durch die Lappen, doch durch eine extra-liebe Sms wurde auch dieser Fauxpas behoben.

  1. Was nimmst du für die Zukunft mit?

Im Selbstversuch ist mir aufgefallen, dass Facebook für mich nicht essentiell ist. Wer mich erreichen möchte oder eine Information von mir braucht, kennt in der Regel noch andere Wege, auf denen er mich erreichen kann. Natürlich kann ich über das soziale Netzwerk interessanten Menschen folgen, sich inspirieren lassen, informiert bleiben und endlos kommunizieren. Die kurze Auszeit von der Dauerkommunikation hat aber gut getan und ich glaube, ich bin auf den Geschmack gekommen…

 

Simone (22) verzichtete (fast) zwei Wochen auf Whatsapp…

  1. Welcher Mediennutzungstyp bist du?

Da ich „Irgendwas mit Medien studiere“ nutze ich viele Social-Media Plattformen wie Whatsapp, Facebook, Pinterest und Instagram. Allerdings alles recht moderat. Es gibt Zeiten da bin ich viel am Handy, dann mal wieder Zeiten, wo ich weniger daran hänge.

  1. Worauf hast du verzichtet und wie lange?

Ich habe für 8 Tage auf Whatsapp verzichtet. Eigentlich wollte ich 2 Wochen machen, allerdings hab ich den Selbstversuch schon früher abgebrochen, da ich gemerkt habe, dass meine Whatsapp-Abstinenz vorallem für andere eine „Belastung“ ist, da viel organisatorisches über die Gruppen gegangen ist und man mich immer gesondert erreichen musste. Ich empfand es als unangenehm.

  1. Wie hast du dich vorbereitet?
    Ich hab mein Profilbild geändert, indem eine Nachricht über meine Abwesenheit zu finden war. Zudem hab ich in meinem Status angegeben wie man mich während des Selbstversuches erreichen kann.
  1. Wie reagierte dein Umfeld?

In meinem Umfeld hatte ich das Gefühl, dass der Verzicht auf Whatsapp weitaus schlimmer erscheint als auf Facebook. Von „Boah, das könnte ich nie“, „Das würd mir auch mal nicht schaden“ bis „was man nicht alles für einen Kontakte-Artikel tut“ waren die Reaktionen vor allem eher bewundernd als gleichgültig. Überraschend und erfreulich für mich war allerdings, dass eine Freundin vom Studium wegen mir extra einen Facebook-Chat eingerichtet hat, damit ich bei der Planung eines Abends beteiligt war. Ehrlich gesagt, hätte ich mit so viel Aufmerksamkeit nicht gerechnet.

  1. War der Verzicht schwer für dich?

Mir fiel der Verzicht ziemlich leicht, leider zu leicht. Denn ich durfte ja Facebook nutzen. Da es sich für mich eben aber wie Schummeln anfühlte habe ich den Facebook Messenger deinstalliert und war nun gezwungen über den Browser meine Nachrichten abzurufen. Da ich mich weiterhin mit meiner Alternative Facebook schlecht fühlte, hab ich bewusst versucht mehr auf mein Handy zu verzichten. Glücklicherweise hab ich vergessen meine Prepaid Karte aufzuladen und hatte ein paar Tage kein mobiles Internet. So schaute ich in der Bahn mir die Menschen an oder las eine Zeitschrift statt Facebook-Posts zu checken. Mir war langweilig und das Gefühl hab ich genossen. Zudem hab ich versucht mehr zu telefonieren, was richtig schön war.

  1. Wie war der Wiedereinstieg?

Beim Öffnen der App kamen mir 31 Nachrichten entgegen, die meisten davon in irgendwelchen Gruppenchats in denen es vorallem um Organisation ging. Ich hatte allerdings nicht das Gefühl irgendwas verpasst zu haben und nachdem ich alle Nachrichten gecheckt habe, kam in mir das Gefühl hoch, sofort wieder abstinent zu werden. So radikal war ich dann doch nicht. Ich habe nur die Anzeige von Whatsapp geändert, dass die Nachrichten nicht sofort auf meinem Bildschirm auftauchen sondern nur wenn ich die App öffne.

  1. Was nimmst du für die Zukunft mit?

Ich nehme mit: Back to the roots. Ich will mehr telefonieren, da ich das in meinem Selbstversuch am meisten genossen habe. Ich habe die Facebook-App gelöscht und will mir bewusst mal Tage ohne Handy gönnen. Warum? Vielleicht bin ich da sehr nostalgisch aber ich find es ein befreiendes Gefühl mal nicht erreichbar zu sein und Dinge bewusst zu genießen. Also nicht das leckerste Eis von Rom zu essen und gleichzeitig Whatsapp zu checken. Sondern einfach Eis essen. Und genießen.

 

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